Letzte Änderung : 2012-05-20 11:38:03 / Artikel-ID : 28 Qualitätssiegel Wochenbett an acht neue Kolleginnen vergeben.
Es war mal wieder aufregend, und nun ist es mal wieder geschafft.
Am 23.4. 2012 haben Bettina Schöne, Karin Stierand, Anja Außem, Antje Fink, Hedwig Keller, Anja Habenicht, Natalie Pape und Sabine Poguntke das Qualitätssiegel im Wochenbett erhalten. Ganz herzlichen Glückwunsch den engagierten Kolleginnen zu diesem tollen Erfolg.
Der Weg zum Qualitätssiegel
Zwei Qualitätszirkel aus Hannover und Pattensen haben sich mit einem gemeinsamen Ziel zusammengetan. Es ist der sorgfältigen und kreativen Vorbereitung der Qualitätszirkelmoderatorin Antje Fink aus Pattensen zu verdanken, dass die praxisrelevanten Ergebnisse in kurzer, halbjährlicher Vorbereitungszeit erreicht wurden und alle mit hoher Motivation dabei waren. Die Arbeit der vergangenen Jahre wurde so auf den Punkt gebracht und das Know-How aller für die Qualitätsverbesserung zusammen geführt.
Den Kolleginnen war wichtig, sich ausschließlich mit den Themen und Teilprojekten des Qualitätsmanagements zu beschäftigen, die echte Verbesserungen für sie selbst, und die Familien versprachen. Das ist rundum gelungen.
Was haben die Kolleginnen erarbeitet
Es entstanden neue Checklisten zur Reflektion der eigenen Arbeit, eine Checkliste zur Auswertung der späten Betreuung nach der achten Lebenswoche und das Abschlussgespräch mit der Mutter. Auf der Grundlage der Ergebnisse, sind die Kolleginnen nun in der Lage, ihre Wochenbesuche besser zu strukturieren. Sie brauchen weniger Zeit für den einzelnen Besuch, was sich durch die häufigere Besuchsfrequenz ausgleicht. Die Familien sind damit sehr zufrieden und die Kolleginnen erzielten ein besseres wirtschaftliches Ergebnis. Der Auslöser für diese Qualitätsverbesserung waren die noch unstrukturierten Beratungsthemen und die zu langen Besuche. Als Kennzahl für die Zielerreichung wurde vorab die Verkürzung der Besuche auf fünfzig Minuten festgelegt, und das Ganze mit einer Dokumentation zu sichern.
Eine weitere Kollegin will das Betreuungsangebot nach der achten. Woche aufrechterhalten und dazu eine Beratung zur Beikosteinführung anbieten. Sie plante alle Schritte im P-D-C-A Zyklus. So entwickelte sie zunächst ein Kurskonzept, dann Info-Flyer „Beikost“ für die Mütter, einen Auswertungsbogen des Angebots und besuchte selbst Fortbildungen zum Thema. Zur Zeit befindet sie sich in der Erprobungsphase.
Mehr Selbstfürsorge leisten und eine Geschäftsprozessoptimierung durchzuführen, hatte sich eine weitere Kollegin zum Ziel gesetzt. Nachdem sie mit Infoflyern auf ihr Angebot aufmerksam machte, stellte sich der Erfolg umgehend in Form von höheren Anmeldezahlen ein. Nun will sie im Selbstversuch entscheiden ob sie weiterhin Kurse geben will. Sie nutzt ein Zeitraster, To Do und Checklisten und bewertet die Mühe für sich als großen Entwicklungsschritt aufgrund der strukturierten Reflektion.
Ein weiteres beeindruckendes Projekt war die Optimierung des Stillmanagements in den ersten Wochen und die Reduktion des Zeitaufwands für diesen Aspekt der Betreuung. Dazu wurde ein aus dem amerikanischen stammender Dokumentations/ Selbstbeobachtungs- Stillbogen für die Mütter angepasst. Dieser ermöglicht der Mutter sehr simpel und ohne großen Aufwand die wichtigsten Parameter für einen gelungenen Stillstart zu notieren und so die Grundlage für eine effiziente Stillanleitung durch die Hebamme bereit zu halten. Zusätzlich wurde eine Babygewichtszunahmendokumentation für den Kinderarzt entwickelt. Die Formulare kürzen das Gespräch mit den Müttern deutlich ab, die Rückmeldung der Mütter ist gut.
Zusammenfassung des Nutzens eines Qualitätssiegels
Die Hebammen zeigen verantwortungsvolles Verhalten, indem sie nach klaren Richtlinien arbeiten und ihre Dokumentation, Aufklärung der Frauen, ihr Risikomanagement und ihre Organisationsstrukturen transparent machen. Dem Krankenversicherer kann nachgewiesen werden, was er für die Beitragsprämien seiner Versicherten an Leistung bekommt. Freiberufliche Hebammen, vor allem die, die keine Geburtshilfe anbieten, brauchen kreative Qualitätskonzepte um die Effizienz ihres beruflichen Handelns nachzuweisen. Diese Konzepte sind für den Hebammenstand existenzsichernd.
Den Kolleginnen aus Pattensen und Hannover ist es hervorragend gelungen, die abstrakten Definitionen der Qualitätsbegriffe wie z. B.:“ Qualität ist „die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen [...] einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgelegter oder vorausgesetzter Erfordernisse beziehen“, (der DIN ISO) mit prallem Hebammenleben zu füllen. Gelungen ist dies mit Planen, Steuern und Überwachen aller Abläufe die nötig waren um eine bestimmte Dienstleistung mit dem Ziel der ständigen Verbesserung zu erbringen.
Ausblick
Qualitätsmanagement bezieht sich auf das gesamte Spektrum der Hebammenkunst. Damit das Qualitätsmanagement funktioniert, dürfen Hebammen die Familien nicht aus dem Blick verlieren. Zudem müssen sie bereit sein, für die Qualität der Dienstleistung die Verantwortung übernehmen, und nicht zuletzt: Sie brauchen eine gehörige Portion Begeisterung, Kreativität und einen langen Atem.Qualitätsmanagement muss nicht langweilig und kompliziert sein, ganz im Gegenteil, es erleichtert die Entwicklung neuer Angebote und trägt zur Arbeitszufriedenheit von Hebammen bei. Die Beschäftigung mit Qualität schafft ein neues Verständnis für die Aufgaben und ihre Umsetzung – und das wird erreicht, indem die Ziele klar formuliert und die Leistungen im Wochebett beschrieben werden. Das Qualitätssiegel zeigt der Öffentlichkeit wie Hebammen ihren Auftrag der Wochenbettbetreuung verstehen und stellt das Profil der einzelnen Hebamme klar heraus. Es ist der Garant dafür, den individuellen Charakter der Betreuung zu erhalten und an den Bedürfnissen der Familien auszurichten.
Hebammen haben angefangen, sich in Qualitätszirkeln zusammen zu finden. Sie haben begonnen ihre eigene Qualität zu definieren. Andere haben nun keine Chance mehr das den Hebammen nach fremden Regeln aufzuzwingen.
Anhang:
Erläuterung“ Qualitätssiegel“
Gütesiegel haben einen ähnlichen Stellenwert wie Normen oder Richtlinien. Grundsätzlich kann jeder ein Gütesiegel kreieren, es gibt keine gesetzlichen Regelungen. Der Vorteil eines Siegels ist die Möglichkeit eines Zusammenschlusses von Anbietern ähnlicher Dienstleistungen und damit ein vereinheitlichtes und einfaches Prüfungsprocedere. Auch sind die Prüfkriterien offener gehalten und erfordern in der Regel nicht den umfangreichen Dokumentationsaufwand eines Qualitätsmanagementsystems wie die DIN-ISO-Normen. Für das ambulante Sozial -und Gesundheitswesen empfiehlt sich ein an Leitsätzen für ausgewählte Kernleistungen entwickeltes Beurteilungssystem.
Als Qualitätssiegel sind grafische oder schriftliche Markierungen an Produkten bekannt, (wie z .B. der Blaue Umweltengel oder das Diakonie Siegel Pflege) Diese Markierungen lassen eine qualitative Aussage über das Produkt oder die Dienstleistung zu, sie stehen für standardisierte Eigenschaften oder Beschaffenheiten, haben einen gewissen Bekanntheitsgrad und grenzen sich damit von vergleichbaren Dienstleistungen und Produkten ab. Das Logo oder Bildzeichen selbst enthält natürlich keine qualitative Aussage, diese sind in den zugrunde liegenden genauen Bestimmungen zum Erhalt des Siegels enthalten.
Der Weg zum Siegel
-
Abgabe der im Handbuch enthaltenen Selbstbewertung) der 6 Qualitätsbereiche
-
Teilnahme am Gruppenkolloquium „Siegelvergabe“ (mit ca 6 bis 10 Teilnehmerinnen)
-
Nachweis der Nutzung der zur Verfügung gestellten Unterlagen wie: Dokumentationsmaterial, Checklisten, Leitsätze, Prozessbeschreibungen usw.
-
Nachweis von kollegialem Austausch und verbindlicher Vertretungsplanung
-
Aktive Teilnahme an einem Verbesserungsprojekt des QZ/ Kreisverbandes oder in einem berufspolitischen Gremium
-
Teilnahme an einem Fachtag „Siegel“ im Rahmen der Delegierten- oder Landestagung.
-
Besuch des Schulungstags „Umgang mit der Anleitung zur Qualität“
-
Nachweis einer Schulung Notfallmanagement/Reanimation/Erste Hilfe
-
Berufshaftpflicht Versicherung, IK NR, BGW -Anmeldung und BDH Mitgliedschaft vorhanden
-
Siegel-Beitrag bezahlt
Von der Anmeldung zur Zertifizierung bis zur Siegelvergabe kann es ja nach Ausgangslage und Fleiß der Kollegin 6 bis 12 Monate dauern, die Kosten sollten 300 € nicht überschreiten. Der Qualitätsnachweis ist 3 Jahre gültig
Autorin:
Gabriele Stenz, Delmenhorst, Auditorin und Qualitätsmanagerin, Lehrerin für Hebammenwesen, nds-bildung-qualitaet@gmx.net
|