Die Erfolgsgeschichte geht weiter...
Neun weitere Hebammenkolleginnen haben sich im November 2009 das Qualitätssiegel Wochenbett ® erarbeitet
Der Hebammenverband Niedersachsen gratuliert herzlich den Kolleginnen:
Bettina Podeszwa, Heinke Duckeck, Susanne Bonfert, Carola Grote, Elmire Frick, Marina Herbst, Ruth Kerber, Agnes Struckmeier und Izabell Janiszewska.

Die Vorgeschichte
Die Veränderungen im Gesundheitswesen inspirieren Hebammen zum Handeln. So entstand d as "Qualitätssiegel für die qualitative Betreuung der Wöchnerin im häuslichen Umfeld durch niedersächsische Hebammen". Es wird vom Hebammenverband Niedersachsen e.V. (HV Nds) in Kooperation mit dem Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ GmbH, Hannover) angeboten. In dem bundesweit einmaligen Vorhaben fördert der HV Nds. ein qualitätsgeleitetes Management in der freiberuflichen Wochenbettbetreuung und zeichnen die Arbeit mit einem Qualitätssiegel aus, um den zukünftigen Anforderungen im Gesundheitswesen zu genügen. Die Pilotphase bis Ende 2008 wurde durch die Qualitätsinitiative (Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V.), in dem der Hebammenverband Niedersachsen seit Gründung Mitglied ist, finanziell gefördert.
Die sechs relevanten Qualitätsbereiche
- Hebammenwissen
- Psychosoziale Betreuung
- Zuverlässigkeit
- Zeit
- Dokumentation
- Stillen
bilden die Grundlage des Qualitätssiegels ("Zertifikats"), wobei alle teilnehmenden Hebammen in ein Netzwerk zur Qualitätsentwicklung eingebunden sind.
Das Qualitätssiegel findet, obwohl völlig neuartig für den Hebammenberuf, sehr viel Anerkennung. Die Grundlage, das "Handbuch Wochenbett" welches die Siegelnormen enthält, war schnell vergriffen, die Neuauflage ist seit September 09 erhältlich. Um den Hebammenkolleginnen die Arbeit noch leichter zu machen, wurde zeitgleich eine QM- Home -Page freigeschaltet, auf der die Kolleginnen neben Netzwerkinformationen rund ums QM die Dokumente im Word Format zum Herunterladen finden, die für den Aufbau des eigenen QM, s verwendet werden können. Die Kostenträger, also die Krankenversicherungen, und die Familien wünschen sich, dass ihre Gelder gut eingesetzt werden. Sie werden den Nachweis einer wirksamen Dienstleistung fordern. Deshalb brauchen freiberufliche Hebammen Qualitätskonzepte um die Effizienz ihres beruflichen Handelns nachzuweisen.

Wer hat noch Interesse an Qualität?
Es ist auch im Interesse der Haftpflichtversicherer, dass (freiberufliche) Hebammen durch ihr Verhalten die Schadenssumme im Haftpflichtversicherungsfall verringern. Hebammen zeigen sich verantwortungsvoll, wenn sie bestehende Risiken minimieren und die Familien genau informieren und aufklären . Dieses Ziel kann mit der Ausgestaltung der Struktur -und Prozessqualität, so wie im Versorgungsvertrag "Hebammenhilfe" nach SGB V §134 von den Vertragspartnern gefordert, erreicht werden.
Wie läuft ein Qualitätssiegelaudt ab?
Bei dem 2. Qualitätssiegelaudit stand eben jener Nachweis der Strukturqualität im Mittelpunkt. Praktisch gestaltete sich das in Fragen nach dem sog. Verbandbuch, in welchem die Hebamme alle Arbeitsunfälle und Verletzungen festhält sowie der Gefahrstoffverordnung und dem Notfallplan. Hygienepläne, speziell für die Wochenbettbetreuung wurden vorgelegt und dargelegt wie die Sterilisierung der Instrumente geregelt ist. Die Kolleginnen wurden auf die Kennzeichnung und Zuordnung der Dokumente hingewiesen. Sicherheitsaspekte der Hebammentasche, Kanülenentsorgung, die Eichfähigkeit der Mess- und Prüfmittel und das Vorhandensein von Datensicherheitsblätter (bei der BGW anfordern) diskutiert. Verfügt die Hebamme über die neue Stechkanülen für den Stoffwechseltest, wie setzt sie den Datenschutz in ihrem häuslichen Arbeitszimmer um, kennt sie die Verschwiegenheitserklärung für evtl. vorhandene Mitarbeiterinnen? Medien wie Handy, Mail, oder Telefon, AB , erleichtern die Erreichbarkeit, gibt es festen Sprechzeiten oder werden Informationsschreiben für die Familien vorgehalten ? Welche schriftlich fixierten Vertretungsregelungen hält sie vor und wie geht die Hebamme mit Beschwerden um? Ausführlich wurden anonymisierte Dokumentationen nach denen im Qualitätshandbuch Wochenbett beschriebenen Qualitätsanforderungen bewertet. Diese Aspekte tragen in ihrer Gesamtheit zu einer sichere Praxisführung bei, von der Hebamme und die Familien gleichermaßen profitieren.

Anschließend erläuterten die neun Siegelanwärterinnen Fragen zur Prozessqualität anhand der im Handbuch Wochenbett beschriebenen Qualitätskriterien zu den sechs Qualitätsbereichen in Form einer strukturierten Selbstbewertung und belegten sie mit Nachweisen.
Hebammen geht es um Inhalte und Ergebnisse
Eine Sternstunde des Siegelaudits ist die Vorstellung der Qualitätsverbesserungsprojekte, der dritte Teil des Audits wird von den Kolleginnen sehr geschätzt. Hier ist das Forum, in dem die Kreativität und Engagement für die Gesundheit von Müttern und Babys zu Sprache kommt. Hier wird das Fachwissen vertieft, neue Kompetenzen erlangt und der Vernetzungsgedanke in die Tat umgesetzt. Die Kolleginnen haben einer Vorstellung ihrer Projekte im Artikel ausdrücklich zugestimmt.

Projekt Zahngesundheit
Eine Gruppe hat sich den Aufbau einer Beratungsstruktur für die Eltern im späten Wochenbett zum Ziel gesetzt. Das Thema betrifft die Zahngesundheit der Kinder, die Vorsorge findet schon im Mutterleib statt und hat viele lebenspraktische Bezüge. Nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema tauchten viele wichtige Aspekte auf, so dass die Kolleginnen auch Aktionen und Veranstaltungen dazu organisieren werden. Das Ziel ist die Verbesserung der Zahngesundheit, insbesondere Vermeidung von Karies- und Parodontosebefall der Zähne bei Mutter und Kind. Die Zahnpflege und -gesundheit soll den Müttern als wichtiges Thema vermittelt werden Die Eltern müssen für dieses Thema sensibilisiert sein, damit sie schon vor dem ersten Zähnchen an die Pflege denken und entsprechend handeln. Es soll erreicht werden, dass die Schwangeren 1-2 Mal während der Schwangerschaft zur Kontrolle den Zahnarzt aufsuchen. Sie werden über die Zahnpflege ihres ungeborenen Kindes aufgeklärt. Darüber hinaus bietet sich eine ergänzende, wiederholende Beratung durch die betreuende Hebamme an. Folgendes Informationsmaterial wurde gesichtet:
Fortbildung der Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN)
Nuk: Mund und Zähne
MAM Babyartikel GmbH, Broschüre Zahnpflege
ZKN:Zahnärztlicher Kinderpass, Empfehlungen zur Prophylaxe mit Fluoriden
Ökotest Ratgeber Kleinkinder Ausgabe 09 09
Internet: Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde (DGZMK), Untergruppierung: Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde Informationen zur Zahn- und Mundgesundheit von Kindern
Durchgeführt wird die Elternberatung mit einem selbst entwickelten, standardisiertem Leitfaden entsprechend der Beratungsinhalte und der Weitergabe der "Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden" von der Deutschen Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kiefergesundheit sowie den "Zahnärztlichen Kinderpass" von der ZKN in der Schwangerschaft. Die Überprüfung wird mit einem Fragebogen nach etwa zwei Jahren telefonisch in den betreuten Familien vorgenommen. Es wird ermittelt, ob die Informationen für die Familien hilfreich, und die vorgeschlagenen Maßnahmen ihnen bei der Zahnpflege ihrer Kinder geholfen haben. Die RVO schreibt die Aufklärung über frühkindliche Zahngesundheit ausdrücklich vor, hier werden leider explizit nur Ärzte als Verantwortliche genannt.
Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern
Ein zweites Projekt betrifft den Aufbau einer Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern. In der Region besteht ein großer Bedarf. Dazu müssen Gelder akquiriert, Räume gefunden, Informationsblätter entworfen und Unterstützer gefunden werden.
Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und Praxisorganisation
Verbesserungsprojekte wie die Erstellung eines informativen Praxisflyers, mit präziser Beschreibung der Angebote, ansprechendem Format und Gestaltung zur Öffentlichkeitsarbeit wurden präzisiert. Eine Kollegin ist unzufrieden mit der Dauer ihrer Wochenbesuche und wird in Zukunft eine ausgefeilte Statistik über ihre "Verweildauer" führen um Klarheit über ihren Zeitaufwand zu bekommen um die Kosten, Erlöse und den Nutzen genauer bestimmen zu können.
Zufriedenheitsbefragung bei Wöchnerinnen
Sehr interessant war die Zufriedenheitsbefragung der Wöchnerin, die eine Kollegin vorstellte. Sie ist sehr professionell gemacht und enthält aussagefähige Fragen die auf ihre Auswertung harren und wichtige Hinweise zur Verbesserung der eigenen Leistung enthalten. Präzise Fragen nach den Erwartungen der Frauen an die Wochenbettbetreuung, Zeitdauer und Umfang und auch vermuteten Nachteilen der Hebammenbetreuung werden in der Befragung gestellt. Der Bogen wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann im Online- Bereich unter www.qualitätimwochenbett.de heruntergeladen werden.

Bondingprojekt
Sehr ambitioniert stellt sich das Bondingprojekt mit und für (werdende) Eltern dar. Die Projektskizze wurde in schriftlicher Form vorgelegt und Ziele und Maßnahmen wie Aufklärung und Schulung der Eltern, Vermittlung von Fachleuten und Institutionen zum Thema, Unterstützung der Eltern durch Absolventen der Emotionalen Erste Hilfe Weiterbildung, wurden erläutert. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt, es wird Schulungen, Presseartikel, Flyer, Runde-Tische und Infoveranstaltungen geben. Die Auswertung der Pilotphase ist für 2011 geplant, weitere Maßnahmen starten dann in 2012.
Beratungsleitfaden für ein Stillgespräch zur Stillförderung
Dieser Leitfaden kommt bei allen betreuten Frauen der Kollegin zum Einsatz und soll auf das Stillen umfassend vorbereiten. Nach Abschluss der Wochenbettbetreuung wertet sie anhand von Mütter-Befragungen und ihrer Dokumentation den Erfolg aus und verbessert anschließend ihren Leitfaden. Der Leitfaden enthält eine ausführliche Anamnese, es wird nach Still- Vorbildern gefragt, der Stillatlas mit der Frau durchgegangen und Informationen z.B. zu stillen und Berufstätigkeit vermittelt. Eine Brustinspektion schließt die Einheit ab.

Die Auditorin und Co -Auditorin waren begeistert von den Leistungen der Kolleginnen. Allen Kolleginnen haben sie ans Herz gelegt, den Aufbau eines Dokumentenschlüssels in Angriff zu nehmen um die Dokumentenlenkung und Archivierung übersichtlicher zu gestalten. Eine entsprechende Schulung wird im Mai 2010 von der QMB angeboten. Die Auditorin regte die Erstellung neuer, hilfreicher Formulare zur Strukturqualität an. Diese wurden bereits von der QMB erstellt und in den Online Zugang eingestellt. Mit dem Zertifikat erhalten die Hebammen von der ZQ GmbH Auditorin einen differenzi erten Bericht über ihre Stärken und Verbesserungspotentiale. Die Kolleginnen nutzen das Qualitätssiegellogo für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit und werden auf der Hebammenliste (Suchmaschine HV Niedersachsen) gesondert ausgewiesen.
Wo bekomme ich weiterführende Informationen?
Das Handbuch, Schulung und Online- Zugang kann zum Preis von 132 € für Mitglieder des HV Niedersachsen und andere Länder über die Homepage www.qualitätimwochenbett.de bestellt werden. Schriftliche Anmeldungen zum nächsten Qualitätssiegelaudit am 18. März 2010 nimmt die QMB ab sofort entgegen, Anmeldeformulare können auf der Homepage heruntergeladen werden.
Die IV Qualitätszirkel- Moderatorenschulung beginnt am 4.12.209 in Delmenhorst in der Fischstraße 31 in den Räumen der BGW. Anfang ist jeweils um 9:45 Ende gegen 17:15. Es gibt sechs Schulungstage (54 Ustd.) jeweils am 1. Freitag im Monat. Auch diese Anmeldeformulare sind auf der Homepage zu finden.
Was ist 2010 geplant
Die Vorsitzenden Ursula Fietz und Brigitte Salisch sowie die Qualitätsmanagementbeauftragte Gabriele Stenz knüpfen mit diesen wegweisenden Aktivitäten an die langjährige "niedersächsische" Tradition der aktiven Qualitätssicherung durch Hebammen an: bereits seit Beginn der Perinatalerhebung in den 1980er Jahren hatte sich freiberuflich tätige Hebammen mit der Dokumentation der von ihnen geleiteten Hausgeburten beteiligt. Sie sind gemeinsam mit allen innovativen Qualitätssiegelträgerinnen davon überzeugt, dass sich der Aufwand bei der Einführung des QM- Systems lohnt. Das Auftreten der Kolleginnen ist professioneller geworden, die Auslastung konnte optimiert werden. Arbeitsabläufe wurden standardisiert, ohne dass Flexibilität verloren gegangen ist. Insgesamt steht mehr Zeit für die Frauen zur Verfügung. Die verbesserte Betreuung hat zu einer höheren Motivation der Hebammen geführt. Hebammen und Familien profitieren also vom QM gleichermaßen. Laufend gibt es etwas zu verbessern, aber das bringt QM mit sich, es ist ein steter Optimierungsprozess.
Die Delegierten des Hebammenverbands Niedersachsen wollen diese Engagement stärken; sie haben abgestimmt und unterstützen ab Januar 2010 jede Kollegin, die sich bis zum ersten Halbjahr 2010 zum Qualitätssiegelaudit anmeldet mit 100 €.
Autorin (VISDP)
Gabriele Stenz, QMB
Brookweg 52
27751 Delmenhorst
Tel.:
04221-44622
E-Mail:
nds-bildung-qualitaet@gmx.net
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